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"Unser Ideengeber ist der Markt."

Interview mit Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer Bihl+Wiedemann

Revolutionär, zumindest aber evolutionär waren die Neuheiten, die Bihl+Wiedemann auf den jüngsten Branchenmessen präsentierte. Vor der SPS/IPC/Drives treten die Mannheimer leiser auf – aber mindestens genauso innovativ. Denn effiziente Entwicklung, so verrät Geschäftsführer Bernhard Wiedemann im Gespräch mit den ASi MASTER NEWS, hat nichts mit Sensationen zu tun, sondern vor allem mit Kundennähe.

ASi MASTER NEWS: Herr Wiedemann, Sie haben zuletzt einen technologischen Quantensprung nach dem anderen geschafft. Jetzt, kurz vor der SPS IPC Drives, heißt eine Ihrer wichtigsten Neuigkeiten: „Ab sofort liefern wir auch Standard-Slaves.“ Ist das nicht ungefähr so, als würde ein Drei-Sterne-Koch jetzt auch Hamburger servieren? Bernhard Wiedemann: Auf den allerersten Blick mag das vielleicht so wirken. Bei näherem Hinsehen aber wird schnell klar, warum eine andere Reihenfolge für uns nicht in Frage gekommen ist. Die technologische Kompetenz zur Entwicklung von Standard- Slaves war bei uns natürlich von Anfang an vorhanden. Und wir haben sie im Auftrag vieler anderer Firmen ja auch immer wieder sehr erfolgreich eingesetzt. Aber um hochwertige Standard-Slaves unter eigener Flagge zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten zu können, müssen Sie große Stückzahlen produzieren. Und dazu brauchen Sie nicht nur das entsprechende Fertigungs-Know-how, sondern auch die dazugehörigen Kapazitäten. Bevor wir die aufbauen, wollten wir einfach eine gewisse Unternehmensgröße erreichen, damit die Investition in einem vernünftigen Verhältnis zum Umsatz steht. Genau das war im vergangenen Jahr der Fall. Deshalb haben wir 2011 neue Hochleistungs-Bestückungslinien in Betrieb genommen und sind mit unserer Fertigung in Mannheim und Antalya jetzt ideal aufgestellt. Die Bestellungen können also kommen – und zum Glück tun sie’s auch. ASi MASTER NEWS: Was unterscheidet denn nun – um im Bild zu bleiben – Ihre Hamburger von denen anderer Köche? Bernhard Wiedemann: Zum einen spielt natürlich auch im Bereich Standard-Slaves die Qualität eine entscheidende Rolle. Hier kommt uns unter anderem der Perfektionismus zugute, der unser Handeln seit jeher begleitet. So haben wir zum Beispiel auf die Elektromechanik – also auf alles, was man an einem Gerät anfassen kann – schon immer großen Wert gelegt, obwohl das bei unseren frühen Bestsellern wie den ASi Mastern eigentlich gar keine so große Rolle spielte. Bei den Standard-E/As dagegen wird all das, was uns längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, plötzlich aber extrem wichtig. Zum anderen haben wir uns für unsere Standard- Slaves diverse nützliche Extras einfallen lassen: zum Beispiel 2x2 Anschlüsse für das Profilkabel, zwei verschiedenfarbige LEDs pro Ausgang als Schaltstatus und Überlastanzeige – oder in IP20 die 8E/8A-Variante mit nur 22,5 Millimeter Baubreite. ASi MASTER NEWS: Hat der erfolgreiche Launch Ihrer Standard-Slaves möglicherweise auch damit zu tun, dass Ihre Kunden bei Störungen in einer Anlage noch mehr Service- Engagement von Ihnen erwarten, wenn auch die Standard-E/As von Ihnen kommen?   Bernhard Wiedemann: Nein, ganz sicher nicht. Unsere Kunden wissen sehr genau: Wenn eine Anlage ausfällt, in der nur ein einziger Master von uns verbaut ist, kümmern wir uns darum – und zwar ganz egal, ob das Problem von unseren Produkten verursacht wurde oder nicht. Meiner Meinung nach hat die hohe Akzeptanz, auf die unsere Standard-Slaves gleich zu Beginn auf dem Markt treffen, neben der Topqualität und den vielen Extras noch einen ganz anderen Grund: die Tatsache, dass wir mittlerweile als Komplettanbieter sowohl in der Sicherheitstechnik als auch im Standardbereich von AS-Interface auftreten können. Warum soll ein Anwender seine E/As woanders kaufen, wenn er sie mindestens ebenso gut von seinem Systemlieferanten beziehen kann? ASi MASTER NEWS: Komplettanbieter zu werden war ab einem bestimmten Zeitpunkt Ihrer Unternehmensentwicklung Ihr großes Ziel. Heißt das, dass Sie jetzt dort angekommen sind, wo Sie hin wollten?   Bernhard Wiedemann : Angekommen ist man nie in unserem Geschäft. Und ganz ehrlich: Das wäre uns auch zu langweilig. Unser Plan war zu keiner Zeit, die sieben, zwölf oder neunzehn Ideen zu verwirklichen, die wir mit uns herumtragen, und uns dann zurückzulehnen. Unser Plan war immer, unseren Kunden möglichst effiziente technologische Antworten auf ihre aktuellen Fragen zu geben. Deshalb haben wir als Spezialist für ASi Master angefangen, ganz einfach, weil wir wussten, dass die Vernetzung von Aktoren und Sensoren über AS-Interface das Beste ist, was dem Anwender passieren kann. Der Schwerpunkt damals lag auf komplexer Technik, großer Produktvielfalt und kleinen Stückzahlen. Danach kamen Analogslaves: einfacher als Master, aber komplexer als binäre Slaves. Auf Kundennachfrage haben wir dann bald begonnen, einen regelrechten „Zoo“ von OEM-Modulen zu entwickeln und zu fertigen: kleine ASi Boards für ganz spezifische Aufgaben. Die Stückzahlen waren oft klein, aber über die Familienähnlichkeit war das trotzdem sinnvoll. Und dann folgten unsere Safety-Produkte: extrem entwicklungslastig, höchst komplex im Bereich Software – aber mit der unwiderstehlichen Option, mit ASi eine Vielzahl neuer Applikationen zu erschließen. ASi MASTER NEWS: Und was kommt als Nächstes? Bernhard Wiedemann: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Nicht, weil ich etwas geheim halten will, sondern weil ich es wirklich nicht weiß. Wir entwickeln permanent in unterschiedlichste Richtungen, aber unsere Strategie ist es nicht, Lösungen zu präsentieren und darauf zu hoffen, dass es irgendwo da draußen genügend dazu passende Probleme gibt. Wir denken genau anders herum: Wir analysieren, was der Anwender gerade braucht – und genau das entwickeln und produzieren wir dann. Unser Ideengeber ist also gewissermaßen der Markt. Das war schon damals so, als wir uns noch ausschließlich auf ASi Master konzentrierten. Das Feedback unserer Kunden ließ keinen Zweifel daran, dass sich die Vorteile von AS-Interface potenzieren, je einfacher seine Einbindung in andere Automationssysteme wird. Also haben wir Gateways zu fast allen Systemen entwickelt, die in der Praxis gängig sind. Und das war auch im Bereich Safety so: Die Anwender selbst haben uns vorgerechnet, dass sich der Einsatz von ASi Safety unter bestimmten Voraussetzungen in allen Applikationen lohnt – in großen, verzweigten Anlagen genauso wie in mittleren oder in kleinen Maschinen mit gerade mal zwei oder drei sicheren Signalen. Und diese Voraussetzungen haben wir mit unseren Produkten geschaffen.   ASi MASTER NEWS: Aber das gilt doch nur dann, wenn der Standardbereich der Anlage auch über AS-Interface läuft, oder? Bernhard Wiedemann: Nein, genau diesem Trugschluss gehen selbst gestandene Sicherheitsprofis noch immer auf den Leim. Ich kann das ja auch durchaus nachvollziehen, weil ich den technologischen Charme der Möglichkeit, sichere und nicht-sichere Signale auf ein und derselben Leitung zu übertragen, ebenso unwiderstehlich finde. Aber Fakt ist: ASi Safety rechnet sich – zumindest mit unseren Lösungen – auch dann, wenn die Standard- Aktoren und -Sensoren über ein anderes, weniger wirtschaftliches System angeschlossen werden. ASi MASTER NEWS: Herr Wiedemann, wir danken Ihnen für das Gespräch.